Soundcheck
02/99
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teuffel Weissenhorner Strasse
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Neu-Ulm Germany mail@teuffel.com
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PPV Presse Project Verlags GmbH
Postfach 57
D-85230 Bergkirchen
ppv@soundcheck.de
Sympathy for the devil
Klarer Fall, wer so spektakulär aus gängigen
Klischees ausbricht, hat gute Chancen, wahrgenommen zu
werden. Doch glänzt die Coco nicht nur aufgrund ihrer
avantgardistischen Erscheinung, auch das Baukonzept
eröffnet neue Horizonte.
Von einem anderen Stern ist die Coco nicht, auch wenn man
dies auf den ersten Blick meinen könnte. Kreiert wurde
sie vom deutschen Gitarrenbauer Ulrich Teuffel, einem
Absolventen der Designschule. Die Coco kann man jedoch nicht
einfach als Gestaltungs-Studie eines ausgeflippten Freaks
abtun. Teuffel kann auf eine langjährige Erfahrung als
Gitarrenbauer konventioneller lnstrumente verweisen.
Angeregt durch sein Studium, ging er aber bald neue Wege.
Sein Konzept hiess von nun an Design, kombiniert mit
innovativer Funktionalitat. Erstes Resultat war die
Birdfish, die bereits vor ein paar Jahren mit austauschbaren
Holzresonanzkörpern, verschiebbaren Pickups und
unglaublicher Optik für Erstaunen sorgte. Ulrich
Teuffels neuester Coup ist die vorliegende Coco. Keine
Frage, diese Instrumente sind qualitative
Höchstleistungen, die bis ins kleinste Detall
handgearbeitet werden. Bei der Coco werden alle Bestandteile
mit Ausnahme von Tremolo, Mechaniken, Rollensattel und
Federkralle in der eigenen Werkstatt hergestellt. Selbst das
dazugehörige Gigbag aus Büffelleder ist
handgemacht. Mehr als 50 lnstrumente pro Jahr sind so dann
auch nicht zu schaffen.
Die Coco vereint traditionelle Materialien mit neuartigen
Werkstoffen
Das beginnt beim Korpus, der Birnenholz mit einem Laminat
aus hochverdichtetem Epoxyd-Schaum und verschiedenen
Faserwerkstoffen wie Glas-, Carbon,- und Baumwollfasern
verbindet. Der Holzkern ist für die Grundresonanz
zuständig, während das leichtgewichtige Epoxyd
eine sehr gute Abstrahlung des Klangs ermöglicht und
einen perkussiven Anschlag fördert. Ergonomisch
ausgeklügelt zeigt sich das Shaping. Die völlig
asymmetrische Linienführung ist in sich verrundet, und
mir ist kein Korpus bekannt, der sich so an den Körper
schmiegt. Ebenfalls aussergewöhnlich ist die
Hals/Korpus-Verbindung. Zwischen den beiden Komponenten
befindet sich ein Aluminium-Paßstück, das einen
Masse-Schwerpunkt darstellt. Dadurch werden die Schwingungen
von Hals und Korpus entkoppelt und eine schnelle, direkte
Ansprache ermöglicht. Fixiert wird mittelszweier
Inbusschrauben. Die Passung ist absolut fest und
luftundurchlässig. Das nennt man dann: "Attack
Neckjoint".
Der einteilige Vogelaugen-Ahornhals weist eine
Stratmensur auf
Durch die stark abfallende Korpusführung um den
Neckjoint lassen sich die oberen Lagen spielend einfach
enreichen. Aus optischen Gründen fehlen auf dem
Griffbrett Bundmarkierungen, doch seitlich weisen dem
Spieler schwarze Dots den sicheren Weg. Um die klanglichen
Eigenschaften des Holz-Halses nicht zu sehr zu
beeinträchtigen, wählte Uli einen äusserst
dünnen Einstellstab aus VA-Stahl mit einem Durchmesser
von nur 2,5 mm. Dadurch werden die
Resonanz-Verhältnisse des Halses, welche für die
Obertonfrequenzen entscheidend sind, kaum
eingeschränkt. Die Coco präsentiert wohl die
kleinste Kopfplatte der Welt. Als Verlängerung des
Halses hat sie dadurch geringen Einfluss auf die Resonanz
und kommt dem klanglichen ldeal der obertonreichen
Headless-Halse ziemlich nahe. Die sechs LSR-Mechaniken
fanden dennoch Platz. Diese ungewöhlichen Tuner
arbeiten mit einem verschiebbaren Bolzen, der beim Drehen
der Rändelschraube die Saite mit einem Lock-Mechanismus
arretiert. Die Saiten verlaufen über eine
LSR-Roller-Nut, die für ihre reibungsarme Funktion
bekannt ist. Der dritte Beitrag zum Thema verstimmungsfreie
Operation ist das WilLinson VS-100 Vibrato. Dieses lagert an
zwei Messerkantschrauben relativ weit über dem Korpus
und wurde ab Werkstatt mit einem Holzklotz in der
Federkammer fixiert, so dass es sich nur abwärts
bewegen lässt.
Auch bei den Pickups geht Teuffel eigene Wege
Vor einiger Zeit hat sich der Gitarrenbaumeister eine
Spulen-Wickelmaschiene zugelegt, mit der er nun per Hand
seine Optimalvorstellungen von Tonabnehmern wickelt. Diese
Pickups sind geteilte Single Coils mit zwei Spulen, jeweils
eine fÜr die Bass- und die diskantsaiten. Das Prinzip
ist ähnlich dem Jazz Bass und agiert völlig
brummfrei. Die großflächigen Kappen sind genau
berechnet und weisen Schlitze auf, so dass die Klangausbeute
ideal bleibt und die Pickups nicht pfeifen. Besonders
raffiniert ist es, dass sich die Single Coils ohne grossen
Aufwand verschieben lassen. lnnerhalb der grossen
lnbusschraube für die Höhenverstellung erkennt man
eine kleinere lnbusschraube, die diese
Längsverschiebung ermöglichen. Ein Druckschalter
wählt über einen Bypass jederzeit den Steg-Pickup
an - die ideale Soloschaltung. Der Fünffachschalter
funktioniert wie bei einer Strat, nur dass bei der
traditionellen Anwahl des Steg-Pickups dieser mit dem
Hals-PU kombiniert wird. Die speziellen
Fade-ln-Regel-Knöpfe erlauben ein präzises
Einblenden von Volume und Tone. Zusätzlich wurde der
Volumenregler mit einem RC-Glied ausgestattet, um beim
Retourdrehen Höhenverluste auszugleichen. Das E-Fach
wurde mit Graphitlack behandelt. Der Deckel ist mit einer
lnbusschraube am Korpus angebracht, und da sind wir bei
einem weiteren Vorzug: Sämtliche Arretierungen an der
Coco erfolgen über lnbus, und dieses Prinzip fixiert
bombenfest.
In bezug auf Handling und Bespielbarkeit muß man
die Coco als kleines Ergonomiewunder einstufen
Zugegeben, eine gewisse Eingewöhnungszeit ist schon
vonnten, das Spielgefühl ist einfach anders als bei
herkömmlichen Gitarren. Im Stehen wird man mit
perfekter Balance belohnt. Die kompakte Größe und
das Shaping lassen den Spieler mit seinem lnstrument eins
werden. Sämtliche Regel-Elemente sind so plaziert,
daß sie gut zu enreichen sind. Volume und Tone lassen
sich spielend mit abgespreiztem kleinem Finger bewegen.
Greift man nach einiger Spielzeit zu einer normalen Gitarre,
kommt einem diese wie ein sperriges Brett vor. Der matt
lackierte Ahornhals vermittelt ein Griffgefühl der
besonderen Art, wie ich es nur von Music-Man-Hälsen
kenne. Der Querschnitt beschreibt ein volles "D" bei
kräftigen Maßen und ist "wie Urlaub" für die
linke Hand.
Der akustische Klang der Coco zeigt sich laut und
druckvoll
Differenziertheit und Durchsetzungsvermögen jeder
einzelnen Saite sind auffallend gut. Das Frequenzspektrum
wird präzise abgebildet und ist in sich ideal
abgestimmt. Am besten unternimmt man folgenden Versuch. Man
schlägt eine Saite an und legt das Ohr auf den Korpus.
Der Ton entfaltet sich vollkommen rein und rund, bevor er
dann gleichmässig abebbt. Soviel Klarheit deutet auf
ein lnstrument hin, das die eigene Spielweise ohne
Beschönigung überträgt. Durch die
unterschiedlichen Materialien des Korpus wird das
Schwingungsvermögen maximiert und eine eigene Nuance
erreicht. Der Gitarrentyp, der den elektrisch
verstärkten Sound am ehesten beschreibt, ist die
Stratocaster. Zum Vergleich kam meine gut eingespielte 71 er
Strat zum Einsatz. Die Coco steht dieser, was Wärme,
Fülle und Lebendigkeit im Klangbild betrifft, in nichts
nach. Sie agiert sogar noch präziser, ist
obertonreicher und dynamischer. Je nach Position erklingen
die Pickups mit Singlecoil- oder Soapbar-Charakter. lm
Gegensatz zur normalen Strat sind die Coco-Tonabnehmer durch
ihre speziel- le Konstruktion brummfrei und
"pfeifresistent". Im Zenrbetrieb zeigt sich die Coco der
Strat voraus. Sie präsentiert sich voluminös,
sustainreich und bemerkenswert differenziert. Für
viele, die auf der Suche nach einem ganz besonderen Sonnd
sind, könnte die Coco die Offenbarung sein. Satte,
sahnige Leadsounds ohne den komprimierenden Charakter
typischer Humbucker sowie ein frisches, offenes Klangbild
sind ihre Stärke.
Fazit
Mit dieser außergewöhnlichen Gitarre stellt
Ulrich Teuffel den konventionellen Gitarrenbau auf den Kopf.
Traditionalisten mögen geschockt sein - in jedem Fall
ist die Coco ein Meisterwerk der Designerkunst,
ausgesprochen ergonomisch, mit hervorragendem Sound.
Angesichts des ungewöhnlichen Konzepts ist der Preis
gerechtfertigt. Die Optik und der perfekte Sound
dürften einen unwiderstehlichen Reiz auf Profis und
Individualisten ausüben.
Wertung
Charakter: Exclusiver Alleskönner
Soundqualität: sehr gut
Soundspektrum: sehr gut
Verarbeitung: sehr gut
Bespielbarkeit: sehr gut
von Ira Stylidiotis