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Gitarre&Bass
7/2001
Teuffel birdfish
Und der Teuffel ging hin, den Menschen zu verführen
und schuf ein modulares Instrument, ein androgynes Wesen
wechselhaften Charakters von geradezu perfider
Mannigfaltigkeit und vieler Zungen mächtig und gab ihm
den Namen ,birdfish'.
Es gibt Gitarren, zumal elektrische, die sind vornehmlich
einfach und kostensparend gebaut. Ziel vieler Pioniere der
E-Gitarre war die industrielle Serienproduktion praktischer
und preiswerter Instrumente, die auch von ungelernten
Arbeitskräften zusammengefügt werden konnten.
Zunächst orientierte man sich dabei an den
Klangeigenschaften der akustischen Gitarre, wollte die nur
lauter machen. Quasi nebenbei aber etablierte sich eine
völlig neue Gattung von Instrument, dessen komplexe
Sounds sich erst nach und nach erschlossen - selbst ein Leo
Fender (Ingenieur, kein Musiker) hat nicht im Traum einmal
die klangliche Potenz seiner Instrumente abschätzen
können. Ob wir es nun logisch oder wahnwitzig nennen
ist unerheblich, jedenfalls erzielen die in schlichtester
Bauweise erstellten Gitarren früher Jahre mit die
höchsten Preise auf dem Sammlermarkt. Was Wunder,
definierten sie schließlich doch auch den Sound der
50er, 60er Jahre und - es handelt sich um die Originale.
Das sind nun alte Geschichten, aber die Zeit bleibt
bekanntlich nicht stehen und, lange Rede kurzer Sinn,
abseits der etablierten Massenproduktion beschreiten
erfinderische Geister immer wieder neue Wege, streben nach
Erweiterung und Aktualisierung des scheinbar gesetzten
Konzepts.
Ulrich Teuffel baut seit 18 Jahren Gitarren und verdiente
sich in der Zeit von 1987 bis 1994 seine handwerklichen
Sporen mit der Fertigung von Custom-Instrumenten nach
klassischen Vorbildern, sowie zwei eigenen Gitarrenserien.
Das späte Studium von Produkt- und Mediendesign an der
Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe bei Hartmut
Esslinger und Kurt Weidemann führte dann zu einer
völlig neuen Definition seiner Arbeit als
Gitarrenbauer.
konstruktion
1995 begann Ulrich Teuffel mit der Konzeption der
,birdfish', die er als erste von drei eigenständigen
Gitarrenreihen auf der Musikmesse in Frankfurt 1996
präsentierte. Die gesamte Konstruktion setzt auf
formale Neuschöpfung. Eigentlich ist alles da, was man
braucht: Hals, Korpusteile, Pickups, Schaltelemente etc.
Doch wer die ,birdfish' das erste Mal anschaut, denkt - nun
ja, gar nicht so einfach, sagen wir einmal an eine
Ausstellung im Museum für Design mit Anflügen von
modernem Boots- und italienischem Küchengerät; wer
hat da Pumpgun gesagt (?!?). Nun wollen wir uns aber nicht
dümmer stellen, als wir sind. Schließlich kann
das Konzept: "Scheibe Holz an geschraubten Hals" (klingt
fast, als könnt' man es essen) bei aller
Genialität der Idee doch nicht für Jahrhunderte
als sakrosankte Glaubensregel zementiert werden. Mann, das
wäre ja so konservativ, wie der Rock 'n' Roll, der
dieses Instrument schließlich groß gemacht hat,
nie sein wollte. Einigen wir uns also darauf, dass die
große alte Dame E-Gitarre sich mit gutem Recht ihren
Platz in der Geschichte erkämpft hat, die Zukunft aber
sicher noch Großartiges für uns bereit
hält.
Ulrich Teuffel sieht sich durchaus in Reihe mit den
Erfindern der E-Gitarre und ganz besonders verwandt
fühlt er sich dem Leo Fender. Mit der ,birdfish'
verfolgt er denn auch das Ziel, die Stratocaster aktuell neu
zu gestalten, da sein Instrument ebenfalls aus einzelnen,
getrennt gefertigten Komponenten besteht, die einfach
herzustellen und beliebig auszutauschen sind. Die
Einfachheit und Klarheit der Konstruktion, die es dem
Spieler erlaubt, sein Instrument selbst zu modifizieren,
wird von Teuffel zum Prinzip erhoben. Alle klangbildenden
Komponenten wie Resonanzkörper und Pickups können
variiert und ausgetauscht werden. Sämtliche Module
finden zudem in einer Tasche gemeinsam mit dem Instrument
Platz und stehen stets zur Modifikation bereit.
Facts: der bundierte Hals ist zunächst das einzige, was
uns in Hinsicht auf die Gitarre auf Kurs hält, alles
andere ist zumindest optisch anders als gewohnt. Dieser
kopflose One-Piece-Maple-Neck aus formidablem
Vogelaugenahorn bietet mit bestens rund ausgeformtem
D-Profil und 22 schlanken, relativ hohen und perfekt
bearbeiteten Bünden exzellente Spielbedingungen. Er
verfügt über einen Knochensattel und den
eingelegten Stahlstab, der vom fehlenden Kopf aus
zugänglich ist.
Der Korpus besteht aus den zwei zentralen Halteelementen
,bird' und ,fish', die wie auch die Control Box im
Wachsausschmelz-Verfahren gegossen werden und das geht so:
für jedes Bauteil wird zunächst ein Wachsmodell
aus Feingusswachs gefertigt. Dieses Modell wird dann
über Wochen mehrfach in Keramikmasse getaucht, bis sich
eine Schicht von ca. 10 mm aufgebaut hat. Die
anschließend erhitzte Keramik lässt das Wachs
ausfließen, und es entsteht ein Hohlraum in exakt der
Größe des Wachsmodells. Die Keramikform wird nun
bei 1050 °C gebrannt. Schließlich gießt der
Gitarrenbauer eine Alu-Titan-Legierung unter Vakuum in die
heiße Form, die nach dem Abkühlen dann
zertrümmert wird. Übrig bleiben die Gitarrenteile,
die nun warmgehärtet, gebohrt und gefräst werden.
Nachdem sie geschliffen und poliert wurden, bekommen sie in
der Galvanik noch eine Kupferschicht, die wiederum
geschliffen und poliert wird, bevor sie dann letztlich
vernickelt, verchromt und ein letztes mal glanzpoliert
werden. Die kleinen Pickup-Sockel entstehen ebenfalls so.
Diese Arbeitsmethode ist sehr aufwendig, aber Experimente
mit anderen Gussverfahren haben kein so dichtes
Metallgefüge und keine so guten akustischen
Eigenschaften erbracht.
Die beiden so entstandenen Halteelemente sind mit zwei
parallel angeordneten zylindrischen Resonanzkörpern
verbunden, die dank eines speziell angefertigten samtigen
und äußerst widerstandsfähigen Lackes
äußerlich nicht verraten, dass sie aus Holz
bestehen. Neben dem blau lackierten Satz aus Swamp Ash steht
ein weiterer in rot aus Ahorn zum alternativen Austausch
bereit.
Eine zweite Verbindung stellt die nicht magnetische
Edelstahlachse her, auf der die allesamt handgewickelten
Pickups flexibel verschieb- und austauschbar montiert sind;
jeder Tonabnehmer lässt sich auch im Winkel zur Achse
individuell ausrichten. Alle fünf vorliegenden
Tonwandler verfügen über AlNiCo-Magneten, drei
davon sind Humbucker mit unterschiedlichen Konfigurationen
und zwei sind Singlecoils mit Vintage-Charakter, einmal
links und einmal rechts gewickelt. Die Humbucker sind auf
der Unterseite mit Punkten gekennzeichnet und bieten
folgende Merkmale: ( ähnelt dem P 90, (( ähnelt
einem PAF und ((( ist dem Jeff Beck-PU (weniger Höhen)
verwandt. Verbunden sind die über Steckverbindungen und
haltende Rädelschrauben leicht auszutauschenden
jeweiligen Tonabnehmer via Kabelstrang mit der Control Box.
Die hängt ebenfalls beweglich unterhalb der Bridge und
ist mit einem unten angebrachten Fünfweg-Schalter und
jeweils einem Generalschalter für Volumen und Ton
vergleichsweise konventionell ausgelegt. Natürlich sind
die Drehregler ergonomisch geformt und bieten mittels eines
eingelegten Gummiringes gute Griffigkeit.
Die Saiten werden von einer Headless-Tuner-Einheit gehalten,
die von Ulrich Teuffel entworfen und von ABM hergestellt
wurde. Die einzigen Elemente, die Ulrich als Standardteile
zugekauft hat, sind die Tune-o-matic-Bücke von Schaller
und die String Clamp für den Einsatz konventioneller
Saiten am Kopfende von Ned Steinberger. Sämtliche
Schrauben an der ,birdfish' sind aus Edelstahl, die
Köpfe handpoliert.
Der handgenähte Gigbag aus Wildleder, in dem die
,birdfish' geliefert wird, ist übrigens so dick
gefüttert, als wäre ein ganzer Daunenschlafsack
eingearbeitet. In vier aufgenähten Taschen sind die
alternativen Korpuszylinder, die Austausch-Pickups und das
benötigte Werkzeug untergebracht.
praxis
Nun, das
ist schon ein scharfes Gerät, ähnelt am Gurt
getragen tatsächlich mehr einer futuristischen Waffe,
als einer Gitarre. Völlig rund und ausgewogen liegt sie
überraschend gut am Körper, bietet mit dem
gerundeten Resonanzkörper oben eine angenehme Auflage
für den rechten Arm und setzt mit dem abgeflachten
Fuß von ,bird' leicht an den Oberschenkel an. Sitzend
gehalten stützt die Schwanzflosse von ,fish' das
Instrument gut auf dem Oberschenkel ab, der spontane Zugang
zu dem Teuffelsding wird großzügig gewährt.
Die bestmögliche Synthese zwischen offensivem Design
und ergonomisch ausgeglichener Handhabung scheint
gefunden.
Im Grundsound erscheint die ,birdfish' insgesamt deutlich
schlanker als eine konventionelle E-Gitarre, zeigt aber mit
guter Transparenz und springlebendigem Ton heimliche
Stärken. Wechselt man die Resonanzkörper aus, so
ergeben sich filigrane Unterschiede. Das Ahorn sorgt
für eine etwas andere Basskontur, der Ton ist leicht
härter, der Akkord noch genauer gezeichnet. Langes
Sustain und knackig spontane Antwort auf den Anschlag
versprechen aber in beiden Fällen gute Ergebnisse
für die elektrische Seite und die ist mannigfaltig:
Die erste getestete Pickup-Konfiguration umfasst den
PAF-ähnlichen Humbucker in Stegposition und beide
Singlecoils. Der Humbucker wandelt den akustisch
durchsichtig leichten Ton in ein entsprechend klares und
dennoch volles Klangbild. Anders als bei einer Montage etwa
auf Mahagoni zeigen sich tonale Färbungen, die etwas
leicht glasiges an sich haben, aber dennoch verblüffend
geschlossenen erscheinen. Das gleiche gilt auch für die
souverän tönenden SCs, die zwar einen Strat-Touch
besitzen, jedoch durchaus eigene Wege beschreiten. Sehr
kompakt und harmonisch plastisch verarbeitet der Humbucker
Akkorde in Zerreinstellungen, Leadlines sind kraftvoll und
dicht im Ton, überzeugen auch in der Ansprache und mit
gutem Sustain. Die Singlecoils zeigen ebenfalls gute Kontur
und kraftvolle Artikulation, sind dabei etwas crisper und
genauer in der Tonentfaltung als gewohnt.
Der Pickup-Wechsel ist schnell und problemlos
durchgeführt, die Rädelschrauben sind leicht zu
lösen und über Miniklinken haben wir nun den Jeff
Beck-Typen am Steg und den P-90 am Hals eingebaut und
angeschlossen. Alle Achtung, der P-90 Typ lässt nichts
vermissen, pudelwohl fühlt er sich an seinem Platz und
bringt wunderbar perlende Akkorde ans Ohr. Auch mit mehr
Dampf zeigt er Stärken im Crunch-Bereich; in
übersteuerten Einstellungen kommt er ebenfalls gut weg,
tönt mit Kraft und Klarheit, als stände er auf
einem soliden Fundament. Der Jeff-Beck-Typ am Steg
verfügt tatsächlich über ein gut gewichtetes
Höhenspektrum mit abgerundeten Spitzen, lässt im
verzerrten Spiel dichte singende Melodielinien zu, kann aber
auch im reduzierten Leistungsbereich mit trockenem Punch
überzeugen.
Da alle Tonabnehmer auf der Schiene von links nach rechts,
aber auch in ihrer Winkelstellung bewegt werden können,
lassen sich zahlreiche Facetten in der Klangformung
erzielen. Beeindruckend ist dabei der doch deutlich
veränderte Wirkungsgrad der PUs in den variierten
Positionen. Zusammengeschaltet ergeben die verschiedenen
Tonabnehmer eine ganze Reihe von interessanten und
eindrucksvollen Mischungen, die dem Geschmack und der
Stilistik des Spielers flexibel angepasst werden
können. Die dargestellten Beispiele müssen uns
hier allerdings schon reichen, obwohl oder gerade weil noch
so viele Kombinationen zur Verfügung stehen. Wer also
gern seine Sounds verändert, Pickups austauscht, oft
die Instrumente wechselt oder ganz allgemein ein flexibles
Sound-Design bevorzugt, der findet in der ,birdfish' ein
absolut grandioses Forschungsgebiet für die tonale
Selbstfindung.
Mir persönlich gefiel zu guter letzt das blaue
Resonanzkörperset aus Swamp Ash besser als das rote aus
Ahorn, da es mir etwas weicher und voller erschien, aber das
korrespondiert nun auch stark mit den gespielten Amps, dem
persönlichem Anschlag und der praktizierten Stilistik -
die Bandbreite der Möglichkeiten der ,birdfish' ist
jedoch so umfangreich, dass sie klanglich wie ein
Chamäleon der Umgebung angepasst werden kann.
resümee
Die ,birdfish' ist nicht nur ein bemerkenswertes
Meisterstück der Gestaltung, sondern sie vereint
futuristisches Design mit ergonomischem Spielkomfort und
brillanter musikalischer Eigenständigkeit. Zwar macht
sie allein als Skulptur an der Wand auch schon eine
fabelhafte Figur, ihre inneren Werte aber entheben sie dem
eitlen "art pour l'art"-Status auf eindrucksvolle Weise. Da
ist nicht nur facettenreiche Klangformung über die
diversen Pickups und deren Kombinationsmöglichkeiten
gegeben, ein inspirierendes Kraftfeld bemächtigt sich
des Spielers und führt ihn zu neuen musikalischen
Ufern. Instrumente wie die ,birdfish' sind klanglich und
stilistisch noch nicht besetzt, bieten dem inventiven
Spieler ein weites Feld für neue Erfahrungen und sind
somit auch Katalysatoren für die musikalische
Entwicklung. Hier ist als Fazit einmal ein einzelnes Wort
angebracht: Grandios!
Übersicht
Hersteller: Teuffel
Modell: birdfish
Herkunftsland: Deutschland
Typ: modulare E-Gitarre
Mensur: 650 mm
Hals: Vogelaugenahorn, einteilig, 22 Bünde, Oil &
Wax Finish
Halsform: rundes D
Halsbreite: Sattel: 42,8; XII. Bund: 51,9 (mm)
Halsdicke: I. Bund: 20,7; XII. Bund: 22,2 (mm)
Korpus: 2 Stück Resonanzkörper Swamp Ash (blau), 2
Stück Resonanzkörper Ahorn (rot)
Oberflächen: Blau und Rot Softfinish
Tonabnehmer: 1 x Teuffel-HB, 1 x
Teuffel-HB, 1 x Teuffel-HB, 1
x Teuffel-SC L, 1 x Teuffel-SC R
Bedienfeld: 1 x Volume, 1 x Tone, 5-Weg-Schalter
Steg: Schaller Tune-o-matic-Bridge
Headless Tuner: Teuffel made by ABM
Saitenhalter: String Clamp designed by Ned Steinberger
Hardware: verchromt
Mechaniken: Kluson-Typ, Gotoh
Gewicht: ca. 3,45 (kg)
Besonderheiten: Design, Modularbauweise, auch in
MIDI-Ausführung mit RMC Piezo Bridge und RMC Poly Drive
lieferbar, Serie auf 500 Stück limitiert
getestet mit: Naylor Duel 60 Stack, Marshall JTM 45, Fender
Pro Reverb
Vertrieb: Teuffel-Guitars, D-89233 Neu-Ulm
Plus
Konzeption & Design
Sounds
Pickups
Hals
Handhabung
Verarbeitung
Wildleder-Gigbag
Franz Holtmann
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